Gibt es ihn eigentlich? Den besten Zeitpunkt, ein Haus zu verkaufen?

Wir haben nachgefragt bei der GENO BANK ESSEN

Der Entschluss des älteren Ehepaars steht fest. Herr und Frau B. möchten ihr Mehrfamilienhaus im Essener Süden veräußern. „Den bürokratischen Aufwand, den das Mietshaus mit sich bringt, hinter sich lassen und gleichzeitig eine finanzielle Unabhängigkeit genießen“, ist das Ziel. Nur, wann ist der richtige Zeitpunkt, möglichst gewinnbringend zu verkaufen?

Herr Wichart, wie sehen Sie das? Jetzt verkaufen oder lieber noch die weitere Zinsentwicklung abwarten?

Hennig Wichart: „Wer heute verkauft, ist gut beraten. Vor allem, wenn es um eine Immobilie in einer guten Lage im Ruhrgebiet geht. Hier ist der Markt bekanntermaßen sehr schmal. Es gibt wenig Grundstücke, die noch bebaut werden können. Ich gehe davon aus, in den nächsten ein oder zwei Quartalen werden die Zinsen voraussichtlich weiter steigen und die Kaufpreise entsprechend sinken. Ziemlich sicher ist der Pik schon erreicht. Es ist abzusehen, so viel besser wird der Zeitpunkt nicht werden.“

Auch wenn das Ehepaar in unserem Beispiel warten könnte?

Hennig Wichart: „Das muss jeder für sich individuell entscheiden. Denn, das muss ich dazusagen, es gibt immer Unsicherheiten in der Prognose und wir haben keine Wahrsagerkugel. Sicher sind andere Voraussetzungen gegeben, wenn die Zeit drängt, etwa im Fall einer Scheidung. Übrigens der mit Abstand häufigste Grund für seinen Hausverkauf, wie wir feststellen.“

Aber dass es Eigentümern einfach irgendwann zu viel wird, kommt doch auch vor, oder?

Hennig Wichart: „Absolut, und das ist auch verständlich. Vermieter sein ist oft ein Fulltimejob, das fängt ja schon bei den Mietverträgen an und reicht bis zur Instandhaltung. Wenn man dazu noch sieht, die Kaufpreise steigen stärker an als die Mietpreise, kommt man ins Nachdenken.“

Welche Gründe gibt es neben den steigenden Zinsen noch für einen schnellen Verkauf?

Hennig Wichart: „Vor allem im Bereich der Eigenheime macht sich Corona bemerkbar. Familien suchen nach einem Haus mit Garten oder einer Wohnung mit zusätzlichem Arbeitszimmer. Die neue Art des Arbeitens von überall aus zeigt seine Wirkung: Die ganze Woche lang pendeln will kaum jemand mehr. Das kostet Zeit und inzwischen sehr viel Geld.“

Was man dann lieber in den Hausverkauf steckt…

Hennig Wichart: „Richtig, zumal für den Eigennutzer der Immobilienbesitz auch als sichere Kapitalanlage gilt.“

Wenn ich nun aber ein Mietshaus verkaufe, weil mir der Aufwand zu groß geworden ist, wie kann ich dann mein Geld am sinnvollsten anlegen?

Hennig Wichart: „Das ist ein großes Thema und jeder sollte sich da die Unterstützung holen. In Wertpapiere zu investieren oder Edelmetalle zu erwerben, macht auch auf längere Sicht Sinn. Der Vorteil: Werden liquide Mittel benötigt, sind diese kurzfristig verfügbar. Es hängt aber auch immer von der Höhe des Vermögens und der eigenen Risikobereitschaft ab.“

Ist es ein Argument, dass andere Wertanlagen stabiler sein können als die vermietete Immobilie?

Hennig Wichart: „Ja, das ist richtig. Wenn es sich um ein Haus handelt, das nicht den wachsenden energetischen Ansprüchen genügt, wird es teuer. Oder wenn Mieter darin wohnen, die sich nicht um die Wohnung kümmern. Das kann schnell zum Sanierungsfall werden. Langfristig geht hier viel Geld verloren. Sie müssen sich das vorstellen wie mit einem Auto, das ein paar Jahre gut läuft, dann aber immer öfter in die Werkstatt muss.“

Die umgekehrte Situation: Jemand will in einem Neubau reinvestieren. Gibt es da bestimmte Voraussetzungen, auf die geachtet werden sollte?

Hennig Wichart: „Auf die Lage, Lage und nochmals Lage! Immobilien an Hauptverkehrsstraßen, keine gute Infrastruktur in Form von KiTas und Schulen oder schlechte Einkaufsmöglichkeiten sind eher schwierig und nicht unbedingt wertstabil.“

Warum keine Hauptverkehrsstraßen? Wenn doch demnächst alle mit E-Autos herumfahren? Keine Abgase mehr, weniger Lärm, das muss sich doch bemerkbar machen.

Hennig Wichart: „Ich glaube, das gehört zu den Dingen, die sich nicht ändern werden. Die meisten Menschen schauen lieber ins Grüne.“

Die Tradition der GENO BANK ESSEN eG im Ruhrgebiet reicht 136 Jahre zurück. Im Fokus der Genossenschaftsbank steht die Förderung ihrer ca. 40.000 Kunden und 21.000 Mitglieder. Heute unterhält die GENO BANK mit Hauptsitz Am Waldthausenpark, Essen, elf Zweigstellen auf dem Stadtgebiet Essen sowie eine Filiale in Hattingen.